Interview mit Carsten Trimpop


Carsten Trimpop ist 45 Jahre alt und lebt seit drei Jahren selbstständig in einer Wohnung. Vor dem Umzug verbrachte Carsten 25 Jahre in einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderung. Er ist seit Juli dieses Jahres Vorstandsmitglied des ZsL Mainz e.V.


trimpop carstenZsL: Carsten, warum bist du nach so vielen Jahren aus der Wohnstätte ausgezogen?

Carsten: Ich wollte selbstständiger werden, das ist mit 24 anderen Menschen unter einem Dach schwierig. Ich wollte mehr Freiheit und mehr Entscheidungen selbst treffen.

ZsL: Würdest du anderen Menschen in deiner damaligen Situation den Auszug empfehlen?

Carsten: Ja, auf jeden Fall. Seit meinem Auszug aus der Einrichtung kann ich mein Leben selbst gestalten, und das kann ich jedem nur empfehlen.

ZsL: Was hat sich mit deinem Umzug in die eigene Wohnung alles verändert?

Carsten: Zum einen bin ich jetzt selbstständiger Arbeitgeber im Arbeitgebermodell und organisiere meinen Unterstützungsbedarf selbst. Das bedeutet, ich kann mir meine Assistenten selbst aussuchen und auch die Dienstplanung an meine Bedürfnisse anpassen.
Zum anderen hat der Auszug meine Lebensqualität sehr verbessert. Ich kann jetzt beispielsweise selbst entscheiden, wann ich abends schlafen gehe, und wann ich morgens aufstehen möchte. Ich kann meinen gesamten Tagesablauf selbst gestalten. Zudem kann ich jetzt Projekte verwirklichen, die mir am Herzen liegen.
Ich bin seit 2015 Inklusionsbotschafter der ISL (Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.) und arbeite an einem Projekt zur Barrierefreiheit. Außerdem halte ich Vorträge zum Thema "Menschen mit Behinderung" oder "Persönliches Budget" in Schulen und Universitäten.

ZsL: Gab es seit deinem Auszug auch schwierige Situationen für dich?

Carsten: Ja, als ich das erste Mal einen meiner Assistenten entlassen musste. Dieses Gespräch ist mir sehr schwer gefallen, da es eine für mich völlig neue Situation war. Jemanden zu entlassen finde ich immer noch schwierig, aber das gehört zu meiner neuen Selbstständigkeit auch dazu.

ZsL: Du bist seit drei Jahren Mitglied im ZsL Mainz, warum bist du dem Verein beigetreten?

Carsten: Das ZsL Mainz hat mich bei meinem Auszug unterstützt und hilft mir auch jetzt noch bei Büroarbeiten, der Lohnabrechnung oder bei der Kommunikation mit Behörden.

ZsL: Bringst du dich auch aktiv in die Arbeit des Vereins ein oder siehst du dich eher als passives Mitglied?

Carsten: Ich bin ein aktives Mitglied, als Teilnehmer an Demonstrationen und Veranstaltungen des ZsL Mainz.
Das ist für mich nicht nur interessant, sondern beeinflusst auch direkt mein Leben. Zum Beispiel durch Aktionen zum Bundesteilhabegesetz.

ZsL: Was wolltest du uns schon immer mal sagen?

Carsten: Ihr macht gute Arbeit, und ich würde mich gerne noch weiter einbringen, um meine Erfahrungen mit anderen zu teilen.